Die Leberfunktion und die Bedeutung der „Leberwerte“

Grundlagen der Leberfunktion:
Die Leber ist das zentrale Stoffwechselorgan des Körpers und hat unter anderem folgende Aufgaben:

  • Speicherfunktion für Nährstoffe
  • Umwandlung von Nährstoffen
  • Produktion von Eiweißstoffen (Albumin, Enzyme etc.)
  • Produktion von Gerinnungsfaktoren
  • Entgiftung von Stoffwechselprodukten
  • Metabolisierung von Medikamenten
  • Produktion von Hormonen

Im Gegensatz zur Nierenfunktion (Dialyse) kann die Leberfunktion nur partiell und kurzzeitig mit apparativen Maßnahmen („Albumin-Dialyse, MARS®) ersetzt werden.

Laborparameter:

  • Die sogenannten Transaminasen GOT (AST) und GPT (ALT) sind bei fast allen Lebererkrankungen erhöht (Norm bis 50 U/l). Sie zeigen an, dass die Leberzelle (Hepatozyt) durch infektiöse, toxische oder stoffwechselbedingte Ursachen „geärgert“ wird. Nach Lebertransplantation können die Transaminasen bei akuten Abstoßungsreaktionen ansteigen.
  • Das Enzym GLDH ist für die Diagnostik von untergeordneter Bedeutung. Die GLDH ist zum Beispiel bei einem Zelluntergang erhöht
  • Die sogenannte γ GT spricht zusammen mit der alkalischen Phosphatase (AP) und dem Lipoprotein-X (LP-X) bei Erhöhung immer für eine sogenannte „obstruktive“ Cholestase, also eine Abflussbehinderung im Bereich der ableitenden Gallenwege (z. B. bei Gallengangsatresie). Bei Gallensteinen sind diese Parameter ebenfalls typischerweise erhöht.
  • Bei einem Rückstau der Gallensäuren (Cholestase) sind die Gallensäuren im Blut entsprechend erhöht.
  • Das Gesamt-Bilirubin (Abbauprodukt des Hämoglobins aus roten Blutkörperchen) weist bei Erhöhung immer auf eine Lebererkrankung hin. Wenn auch das sogenannte direkte Bilirubin erhöht ist, dann spricht dieses wiederum für eine obstruktive Cholestase, also ein Problem mit den Gallenwegen.
  • Der Quick-Wert (alternativ: INR) ist ein Parameter der Gerinnung und dokumentiert die Fähigkeit der Leber ausreichend Gerinnungsfaktoren zu bilden („Lebersyntheseleistung“). Bei fortgeschrittener Lebererkrankung ist der Quick-Wert deutlich erniedrigt (Norm 100%) und es können Blutungen auftreten.

Pathologische, d. h. nicht normale „Leberwerte“, müssen immer fachkundig abgeklärt werden! Je nach zugrunde liegender Erkrankung findet sich ein typisches Muster der Erhöhung bestimmter Parameter im Blut.

Immunsuppressive Medikamente nach Lebertransplantation:
Nach erfolgter Lebertransplantation (Ltx) erhalten alle Kinder als Basis-Immunsuppression entweder Ciclosporin A (CsA; Sandimmun® Optoral) oder Tacrolimus (Prograf®). Die Spiegelbestimmung der Medikamente ist von besonderer Bedeutung und muss immer in Kombination mit den Transaminasen GOT und GPT interpretiert werden. Die angestrebten Talspiegel (morgens vor Medikamenteneinnahme) variieren je nach Alter des Kindes, Grunderkrankung und Zeitpunkt nach Ltx. Bei zu niedrigen Medikamentenspiegeln können die Transaminasen ansteigen und die Erhöhung der Medikamentendosis wird notwendig sein.

Prof. Dr. med R. Ganschow

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